Die Jehmlich-Orgel: 100-jähriges Denkmal

Das Herzstück der Philippuskirche liefert unvergleichbare Klänge. Gebaut wurde die Jehmlich-Orgel 1910 von der Firma Gebrüder Jehmlich in Dresden. Sie wurde am 06.11.1910 eingeweiht. Eine weitere, diesem Instrument vergleichbare Ausführung ist nicht mehr bekannt.

Ausgedacht hat sich die Philippusorgel Paul Friedrich Ernst Gerhardt (*1867 in Leipzig). Er war Orgelvirtuose, Komponist und Improvisationskünstler. Die Philippusorgel ist das Ergebnis seiner Bestrebungen, Elemente der deutschen und französischen Orgelreformbewegungen mit der deutschen Orgelromantik zu verbinden. Gerhardt war es ein Anliegen, dass dieses Ideal einer Orgel den Ansprüchen der Konzertsituation und ebenso den liturgischen Aufgaben eines Gottesdienstes gerecht werden konnte.

Die Sanierung der Jehmlich-Orgel

Nach der umfassenden Sanierung der Philippuskirche widmeten sich Orgelbauer und Sachverständige ab 2020 der Restaurierung der spätromantischen Jehmlich-Orgel. Das galt als schwieriges Unterfangen, da die Orgel in ihre Einzelteile zerlegt werden musste. Unter anderem nahm die Reinigung der Elemente viel Zeit in Anspruch.

„Der Leipziger Westen war früher ein reines Industriegebiet. Überall auf den Pfeifen und technischen Anlagen lag schwarzer Kohlenstaub. Die intensive Reinigung war bei den vielen Tausend Pfeifen ziemlich arbeitsaufwendig.“ Frank Peiter, Orgelbauer

Von den circa 5.000 Orgelpfeifen ist für die Besucher*innen der Philippuskirche normalerweise nur die Front mit einem Bruchteil der Orgel-Bauteile zu sehen. Die kleinste Pfeife ist knapp einen Zentimeter lang. Dann gibt es durchaus Pfeifen mit einer Länge von bis zu sechs Metern.

Innerhalb des Orgelgehäuses sind drei Stockwerke über Leitern und Tritte begehbar. Die Eingangstür der Orgel liegt – kaum zu erkennen – in der Mitte der Front auf Bodenhöhe. Organist*innen oder Orgelbauer nutzen den Zugang, um Register vor Konzerten stimmen zu können. Entsprechend zugänglich sind alle Innenbereiche des Instruments – wenn auch teilweise über gewöhnungsbedürftige Stiege.

„Die Orgel verfügt über einen Spieltisch auf technischem Höchststand mit allen Möglichkeiten, die sich ein Organist wünscht – auf der Philippusorgel kann ein schier unerschöpfliches, vielfältiges Repertoire dargeboten werden“, schwärmt Gewandhaus-Chorleiter Gregor Meyer, der seit Jahren einen besonderen Bezug zur Philippuskirche hat.

Die Finanzierung des Projekts

Die über hundertjährige Orgel der Dresdner Firma Jehmlich ist mit ihren 5.000 Pfeifen noch im Originalzustand erhalten geblieben. Für die dringend notwendige Sanierung und Modernisierung des Herzstücks der Philippuskirche wurden über die Jahre vom Förderverein Philippus e. V. viele Spenden gesammelt. Die Kosten beliefen sich auf mehr als 220.000 €, davon sind rund 55.000 € Spenden und zum Teil Eigenmittel der BBW-Leipzig-Gruppe. Der Großteil der Kosten wurde übernommen vom Landesamt für Denkmalpflege.

Video: Sebastian Heindl an der Philippus-Orgel.

Neugierig? Weitere Infos zur Orgel

Weitere Infos zur Jehmlich-Orgel und der Sanierung finden Sie im 8. Band unserer Philippusreihe. Außerdem stellen wir Ihnen gerne die Registrierung der Jehmlich-Orgel zur Verfügung.

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PHILIPPUS Leipzig
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Bildergalerie

Daniel Beilschmidt an der Philippusorgel
Tafeln mit Inschrift zu Danksagung und Förderung an der Philippuskirche
Blick auf Altar und Orgel beim Gottesdienst zur Orgeleinweihung
Front der Philippusorgel
Philippus-Orgel
Blick ins Innenleben der Philippusorgel
Spieltisch der Philippusorgel
Sicht von oben auf Pfeifen der Philippusorgel
Ein Mann steht auf einer Leiter und arbeitet an den größten Pfeifen der Jehmlich-Orgel
Verschiedene Werkzeuge des Orgelbauers
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