30.09.2026

Von Fürsorge, Feuerwehr und Förderungen – Dr. Paula Piechotta beim Perspektivwechsel in PHILIPPUS Leipzig

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Paula Piechotta war zu Gast im Inklusionshotel Philippus. Beim Perspektivwechsel erlebte sie den Arbeitsalltag im Hotel, sprach mit der Hotelleitung und den Mitarbeitenden über aktuelle Anliegen und darüber, was Inklusionsbetriebe leisten und was sie dafür brauchen.

Geschäftsbereichsleiter*in Alicia Mellado machte deutlich, was es heißt, einen Inklusionsbetrieb zu führen: „Wir müssen unsere Mitarbeitenden sehr gut kennen, um ihnen emotional wie auch behördlich zur Seite stehen zu können, ihre Tagesform zu kennen und ihre Aufgaben entsprechend abstimmen zu können.“ Bei einigen Mitarbeitenden ist Hotelleiter*in Enrico Haußmann sogar als Notfallkontakt eingetragen. Dr. Paula Piechotta zeigte sich beeindruckt davon, welchen hohen Stellenwert die Fürsorge und Unterstützung der Mitarbeitenden im Unternehmen haben. Die Leitungen seien gut geschult, doch sinnvoll wäre eine dauerhaft im Betrieb verankerte Ansprechperson, etwa aus der Sozialpädagogik oder Psychologie, die nicht nur im Bedarfsfall von außen hinzugezogen wird, hält Alicia Mellado fest. Dafür fehle jedoch das Geld.

Die Mehrwertsteuer war der Geschäftsbereichsleiter*in ein weiteres wichtiges Anliegen: Bislang zahlten Inklusionsbetriebe wie Philippus nur 7 Prozent Mehrwertsteuer, während andere Gastronomiebetriebe 19 Prozent zahlten. Seit dem 1. Januar 2026 gilt für alle der reduzierte Satz von 7 Prozent, wodurch der bisherige Vorteil von PHILIPPUS Leipzig gegenüber Hotelketten, Restaurants und Caterern weggefallen ist. Die Hotelleitung wünscht sich einen Ausgleich für diesen Wettbewerbsnachteil, denn so sei man nicht mehr konkurrenzfähig. Dr. Paula Piechotta sagte zu, sich um Antworten auf diese Frage zu kümmern.

Beim anschließenden Rundgang wurden die Maßnahmen des barrierefreien Hotels sichtbar, etwa der Aufzug mit Sprachansagen, das taktile Leitsystem und die Hörschleifen. Weitere Stationen waren der Biergarten, die Kirche und der Gewölbekeller. Die Politiker*in zeigte sich beeindruckt von dem Gebäude-Ensemble. Auf die Frage, warum es nur zwei rollstuhlgerechte Zimmer gibt, antwortete Enrico Haußmann: „Die Feuerwehr bestimmt letztlich die Zahl der Zimmer für Rollstuhlfahrende. Denn sie muss im Ernstfall alle Gäste auf einmal retten können.“ 

Das Hotel ist Mitglied im Embrace-Verbund und laut Embrace (Der Verbund inklusiver Hotelbetriebe) ist PHILIPPUS Leipzig das bestgebuchte Hotel. Die meisten Gäste buchen wegen der Sauberkeit, des Frühstücks und des familiären Gefühls. „Was man als Gast hier merkt: Es herrscht eine ganz andere Atmosphäre“, stellte Paula Piechotta fest. Enrico Haußmann bestätigte: „Hotelketten sind anonym – bei uns fühlt man sich zuhause.“ Wirtschaftlich sei der Betrieb angesichts der hart umkämpften Leipziger Hotellerie dennoch schwierig und ohne den Rückhalt der BBW-Leipzig-Gruppe nicht möglich. So renovieren Kolleg*innen der Diakonie am Thonberg derzeit die westliche Fensterfront, Polsterbezüge und Vorhänge näht der Fachbereich Bekleidung des Berufsbildungswerkes Leipzig.

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Christine Heuer

Christine Heuer

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